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Flügelbau einer 4.6m Pilatus B4

Modellbauer: Pascal Graber

Diese B4 sollte hinsichtlich der Akroeigenschaften wesentlich optimiert werden, aber die Allroundqualitäten einer B4 trotzdem beizubehalten.

Wenn alles nach Wunsch funktioniert, sollte die B4 etwa um die 10kg wiegen und auf ein Lastvielfaches von +/- 20G aushalten können. Bei normalen Figuren werden höchstens 15G erreicht. Die Reserve von 5G wird für das Unterbewusstsein verwendet um den inneren Schweinehund zu unterdrücken.

Der Onlinebaubeschrieb beginnt nach dem schneiden der Flächenkerne. Für die Leser die sich dafür interessieren können dies im Baubericht der 375 B4 nachlesen. Bis dahin ist kein Unterschied im Vorgehen.

So und jetzt viel Spass beim lesen und nachbauen. Auf diese Art Modelle zu bauen kostet nur ein Bruchteil eines Bausatzes und macht viel mehr Spass.

Ich freue mich auf Anregungen, also wenn Ihr Tips oder Kritik anzubringen habt. Meldet euch per E-Mail.

30.April 2006 Startschuss Die Flächenkerne sind aus 80mm Styropor mit 15g/m3 geschnitten. Das Profil ist das NH-951. Die Abachibeplankung ist geschnitten und auf der Innenseite geschliffen.

Vorbereitung Die Oberseite des rechten Flügels wird mit allen GFK und Kohle Einlagen vorbereitet. Das GFK ist 163g Leinwand Gewebe und wird im Winkel von 30 und 45° zugeschnitten.

Innen am Rumpf sind es 3 Lagen und aussen noch 1 Lage. Der Ganze Flügel ist also mit GFK unterlegt. Gleichzeitig werden alle GFK Matten für den linken Flügel geschnitten um die Flügel mit dem gleiche Gewicht bauen zu können.

Zusätzlich erhält der Flügel 2 Carbonbänder Unidirektional 200g. 1 Band für die ganze Spannweite, das 2. Band geht etwas über den Knick.

Laminieren Hier ist die Beplankung der Flügeloberseite mit allen Verstärkungen versehen. Sehr schön zu sehen sind die Carbonbänder. Was schlecht zu sehen ist, sind die Endleistenverstärkungen aus Bidirektionalen GFK Band.

Im Bereich der Endleiste und Holm ist etwas mehr Harz aufgetragen um eine bessere Verklebung zu erhalten.

Ach ja Verklebung: Ich habe etwa 1% Schaumtreibmittel dem Harz zugefügt, um eine bessere Verklebung mit dem Styropor zu erhalten.

Vakuum
 
Die Beplankung wird sorgfälltig und exakt auf den Styrokern aufgelegt. Dann wird das ganze in eine Trennfolie eingepackt und mit Klebeband fixiert. Das Ganze geht anschliessend in den Vakuumsack.

Der Unterdruck stelle ich auf ca. 180Pa ein.

 

Nein Kevin,... die B4 ist noch nicht fertig!
 
Diese Jungen von heute, nichts als Flausen im Kopf.
Holmvorbereitung Der Flügel aus dem Vakuumsack wird für den Holm vorbereitet. Dazu habe ich ein Abdeckband über die gesamte Spannweite geklebt und dann genau mit einem scharfen Japanmesser entlang der Kante in mehreren Schritten durchgeschnitten. Vorsicht nicht das Gewebe beschädigen. Dann mit einem 1er Schraubenzieher das Styro herausgenommen.

Die Endleiste mit dem Dremel das überschüssige Harz entfernt und das Gewebe leicht angeschliffen um später wieder eine richtige Verklebung zu erhalten.

Zuerst mache ich aber den linken Flügel analog des rechten, um wirklich beide Flügel exakt gleich bauen zu können.

Balsawand
 
Die ganze Spannweite ausser der Bereich der Flächensteckung wird mit stehendem Balsa verstärkt. Das Balsa dient auch als sauberer Abschluss der Aussparung und deshalb wird weniger Harz gebraucht. Eingeklebt habe ich das Balsa mit Uhu Por.

Flächensteckung Etwas Gehirnschmalz hat der Einbau der Flächensteckung gebraucht. Im Rumpf ist von der alten Fläche die Rundstahlsteckung noch eingebaut. Also muss die neue Fläche an den Rumpf angepasst werden.

Ich habe die Flächenabschlussrippe exakt auf den Rumpf angepasst und die Bohrung in mühsamer Millimeterarbeit passend geschliffen. Und das gleich zweimal.

Die fertige Abschlussrippe exakt auf der Fläche mit Uhu Por festgeklebt.

Detail
 
Hier die Detailansicht.
Laminieren So nun nochmals alles angeschaut und dann wird laminiert.

Zuerst kommen Kohleroving in die Nut. Nach aussen werden weniger Roving eingelegt.

Dann kommt der Holmverbinder. Der Verbinder besteht bis etwas über den Flächenknick aus Balsa. Nach aussen besteht der Verbinder aus Styropor. Der Verbinder ist mit Glasgewebe 160g Nass in Nass in einem Winkel von 45° umwickelt. Diese Variante ersetzt den Kohleschlauch und hält genauso gut.

Detail
 
Hier ist der Übergang vom Balsaverbinder zum Styroverbinder. Beides ist schon umwickelt.
Beide Flächen
 
Beide Flächen sind hier soweit fertig.

Über den Holmverbinder sind dann wieder Kohleroving eingelegt.

Für den Holm habe ich 300g Harz verbraucht. Also 150g pro Fläche.

Unterseite Die Unterseite ist jetzt auch soweit, dass diese beplankt werden kann. Die Servos sind eingebaut und alle Kabel für die Servos und die Rauchpatronen sind gezogen. Die Stecker fertig eingebaut.

Auf dem Bild zu sehen sind die Kohlebänder, die für das Laminieren bereit liegen.

Die Unterseite wird Analog der Oberseite mit Gewebe verstärkt, es muss jedoch darauf geachtet werden, dass keine Sollbruchstelle entsteht.

Im Nasenbereich habe ich ein Gemisch aus Baumwollflocken und Microballons auf die Beplankung der Oberseite aufgetragen, damit der Nasenbereich gut geschliffen werden kann.

Nach der Beplankung wandert der Flügel wieder in den Vakuumsack.
 

Flügel Hier ist der Flügel bereits grob geschliffen und die 3 Klappen sind angezeichnet.

3 Klappen an einer B4? Ja ich weiss die Original B4 hat nur Bremsklappen und Querruder. Diese B4 ist zum Fliegen gebaut und in der Luft sieht man keine Klappen. Ich wollte eigentlich auch nur Wölbklappen einbauen. Im Flügel haben aber maximal 17mm Servos Platz. Um nicht 2 Servos an einem Ruderblatt würgen zu lassen, habe ich einfach die Wölbklappe unterteilt. Die äussere Wölbklappe kann so in den langsamen Passagen das Querruder unterstützen.

Ruderblätter
 
Die Ruder sind ausgeschnitten. Hier einen Dank an Willy Ramsteiner.

Die Ruder konnten problemlos mit der Dremel Diamanttrennscheibe ausgeschnitten werden. Wenn man sich dabei etwas Mühe gibt, braucht es praktisch keine Nachbearbeitung.

Verkastung
 
Hier die Variante der Innenverkastung.
6 Klappen Pilatus B4
 
Und stören die vielen Klappen?

Ich erhoffe mir von der B4 dass sie im Akro richtig gut funktioniert und dass sie trotzdem für Thermikflug geeignet ist.

Fertig
 
Flügel sind fertig.
Erstflug am 29.7.2006   Am Tag des Erstfluges war ich nervös wie schon lange nicht mehr. Mit zitternden Fingern wurde das Schleppseil eingehängt und nochmals alles kontrolliert.

Edi Flecklin gab seiner Cessna mit ZG62 die Sporen. Die B4 fliegt!!! Nach 2 Jahren Bauzeit und etwa 1000 Baustunden sah ich wie das Gespann mit wunderbarem Flugbild langsam auf Höhe kletterte. Die Anspannung löste sich langsam und das Zittern hörte für einen Moment auf.

Auf etwa 150m wurde geklinkt und der Flieger erstmal eingetrimmt. Dann der Langsamflugtest. Höhenruder langsam bis ans Ende ziehen. Die B4 wird schwammig geht in den Sackflug. Höhenruder loslassen und die B4 nimmt die Nase nach unten und holt Fahrt auf. Ich lasse den Flieger mit abgesenkter Nase weiterfliegen. Der Flieger wird unheimlich schnell und macht keine Anstallten irgendwas an der Fluglage zu ändern. Genau so habe ich mir das vorgestellt. Nach einem schnellen Platzüberflug ziehe ich die B4 wieder hoch und teste die Landestellung. Die beiden inneren Klappen werden nach unten ausgeschlagen und das Querruder nach oben. Mit vollen Ausschlägen ist fast keine Querruderwirkung vorhanden, der Flugwinkel aber genug steil, um sicher landen zu können.

Abkreisen und dann zum Landeanflug. Die erste Landung steht bevor und das Zittern fängt schon wieder an. Da die Finger zittern, lasse ich den Flieger einfach kommen und korrigiere sehr wenig. Alles passt, kurz vor dem Boden langsam Höhenruder ziehen, sauber ausschweben, perfekt.

Nach einigen weiteren Flügen bin ich einfach nur super zufrieden mit der neuen B4. Es hat zwar noch keine einzige Akrofigur funktioniert, aber dies liegt in erster Linie am Pilot. Dieser Flieger geht so neutral durch alle Passagen, dass ich viel zuviel gesteuert habe. Rückenflug geht zB. ganz ohne Tiefenruder. Die Ruderwirkung auf allen Rudern ist hervorragend und auch der Durchzug ist Top.

Fazit: Ich bin einfach nur glücklich mit dem Flieger.

Daten: Spannweite 4.6m; Gewicht 9.5kg; Flächenbelastung 81g/dm^2

 

 

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Stand: 05.10.11