6.4 Der Geradeausflug - Teil 2

Verfasst von Rainer Beckerbauer. Veröffentlicht in Modellbau Erstflug

Feinabstimmung für den Geradeausflug

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Nach den Einstellungen in den Schritten zuvor fliegt das Modell bei horizontalen und vertikalen Flugmanövern schon recht gut geradeaus. Aber gut ist noch lange nicht gut genug. Denn optimaler Geradeausflug ist die Grundvoraussetzung für exakten Kunstflug. Das heißt, fliegt man zum Beispiel mit horizontal ausgerichtetem Flügel in einen Innen- oder Außen-Looping dann kommt das Modell auch wieder exakt horizontal ausgerichtet aus der Kunstflugfigur heraus.

Bisher wurde das Modell nur statisch um die Längsachse ausgewogen. Sie erinnern sich: Den Schwanz unterstützen, am Spinner hochheben und am Randbogen soviel Gewicht anbringen, bis der Vogel die Balance hält. Beim Kunstflug wirken jedoch auch dynamische Kräfte auf das Modell ein, die auf das Flugverhalten einen großen Einfluss haben.

Im Rumpf sind schwere Komponenten wie Motor, Krümmer, ein oder zwei Resorohre sowie Empfänger- und Zündakku eingebaut. Auch ein voller Tank bringt bringt ganz schön Gewicht auf die Waage. Leider lässt es sich nicht realisieren, dass diese schweren Brocken symmetrisch zur Rumpfmittellinie montiert sind. Da Akkus, Resorohre und Krümmer nicht symmetrisch um die Rumpfmittellinie montiert sind, drehen diese Komponenten das Flugmodell bei hoher G-Belastung aus der Kunstflugfigur heraus. Besondere Übeltäter sind Motore mit einem Zylinder: Wegen der asymmetrischen Bauweise dieser Zerknalltreiblinge liegt der Motorschwerpunkt weit entfernt von der Rumpfmittellinie. Und das wirkt sich bei hohen dynamischen Belastungen negativ auf das Flugverhalten aus: Folgende Flugfigur soll das verdeutlichen: Fliegen Sie einmal mit Ihrem Modell drei oder vier Loopings hintereinander, die sich decken. Bewegt sich der Flieger bei neutralem Quer- und Seitenruder auf einer einer Korkenzieherbahn, dann ist noch einiges an Feinabstimmung nötig.

Obwohl die englische Fachliteratur ausführlich auf das soeben beschriebene Problem eingeht, kann man hierzulande kaum etwas darüber lesen. Im Internet finden Sie mit Suchbegriffen wie „wing walk“, „heavy wing effect“ oder „muffler effect“ weitere Informationen. Doch jetzt wird wieder gestartet:

Fliegen Sie das Modell im Horizontalflug von rechts nach links mit etwa 50 bis 75 Prozent Gas an. Querruder und Seitenruder müssen absolut neutral sein, und der Flieger darf keinen Flügel hängen lassen (Querruder) noch um die Hochachse gieren (Seitenruder). Befindet sich das Modell vor Ihnen, also in der Mitte des Flugfensters, dann fliegen Sie einen gezogenen Looping. Der Durchmesser des Loop sollte bei einem F3A-Modell (10 bis 20-ccm-Klasse) etwa 50 Meter sein, bei einem F3A-X-Modell sind 80 bis 100 Meter ein guter Wert.
In der Abwärtspassage des Loops wird das Gas nicht zurückgenommen: Der Flieger sollte beim Abfangen schnell sein, damit eine ordentliche G-Belastung zustande kommt. Lässt zum Beispiel das Modell den rechten Flügel nach dem Looping hängen, dann verträgt die linke Flügelspitze mehr Gewicht. Geben Sie sich erst zufrieden, wenn das Modell gerade aus dem Loop herauskommt.

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